Ein MTA, Mail-Transport-Agent, ist das Programm, das sich um die Weiterleitung von EMail kümmert. Der Benutzer kommt damit eingentlich nicht in Kontakt, ein MTA arbeitet still im Hintergrund.
Inzwischen sind Mailprogramme üblich geworden, die ohne einen MTA auf demselben Rechner funktionieren. Tatsächlich besitzt das derzeit verbreitetste Desktop-Betriebssystem nicht einmal das Konzept eines MTAs. Es erhebt sich die berechtigte Frage, ob man einen MTA überhaupt braucht.
Aus der Sicht eines Programmierers oder Admins lautet die Antwort
"Separation of Concerns". Wie unter Unix üblich, hat ein
Programm genau eine Aufgabe. Sind mehrere unabhängige Aufgaben zu
lösen, dann setzt man dafür auch verschiedene Programme ein.
Hier transportiert der MTA (beispielsweise Sendmail) die EMail,
ihre Auslieferung, evtl. auch Filterung und Sortierung, übernimmt
ein separater Mail-Delivery-Agent (MDA, zum Beispiel Procmail),
und gelesen wird mit einem Mail-User-Agent (MUA, etwa Mutt).
Diese Situation wird nicht einfacher, wenn man seine Mail mit einem
Mammut-Browser der Netscape-Klasse liest. Die Programme sind immer noch
da, man sieht sie nur nicht mehr. Ein riesiges Programm muss jetzt die
Aufgabe vieler kleiner übernehmen. Die erste Variante ist
letztlich leichter zu administrieren und viele Programme, die jeweils
eine Aufgabe richtig lösen, sind gegenüber einem Programm, das
alles ein bischen kann, ein klarer Vorteil.
Ein zweites, ganz pragmatisches Argument spricht ebenfalls für die Verwendung eines MTA. Viele Unix-Programme verlassen sich darauf, dass ein ordentliches Mailsystem existiert. Solche Programme (zum Beispiel Cron) wollen eine Meldung an den Admin los werden, also übergeben sie eine Mail an den normalerweise installierten MTA. Wenn aber einmal ein vollständiger MTA vorhanden ist, kann man auch sein Potenzial voll ausschöpfen.
Nicht zu Unrecht steht Sendmail in dem Ruf, sehr schwer
konfigurierbar zu sein (es heißt, die sendmail.cf
lese sich wie Modemstörgeräusche). Das liegt zwar zu einem
Großteil an der schlechten oder fehlenden Dokumentation, aber man
muss sich trotzdem Fragen, warum ausgerechnet Sendmail so oft
verwendet wird. Obwohl mittlerweile einige Administratoren auf
Alternativen schwören (QMail scheint die beliebteste zu
sein), arbeitet Sendmail auf mehr als der Hälfte aller am
Mailverkehr beteiligten Internethosts.
Die (wirklich unleserliche) Konfiguration von Sendmail hat dazu geführt, dass verschiedene, vorgeblich leichter zu konfigurierende, Alternativen entwickelt wurden. Einige haben eine gewisse Beliebtheit erlangt, erreichen aber längst nicht die Verbreitung von Sendmail.
Smail soll weit einfacher zu handhaben sein als Sendmail. Allerdings ist es nur in wenigen Linux-Distributionen enthalten, so dass es erst einmal installiert sein will. Ob Smail dann hält, was es verspricht, kann ich mangels eigener Erfahrung nicht sagen.
Qmail behauptet von sich, Sendmail überflüssig zu machen, schneller und besonders sicher zu sein. Qmail tut einige Dinge anders als üblich, etwa das Sortieren von Mail in Verzeichnisse statt Files. Einige große Internetsites setzen Qmail ein, von den denkbaren Alternativen ist es vielleicht die empfehlenswerteste.
Postfix soll vollkommen kompatibel zu Sendmail, aber einfach zu konfigurieren sein. Derzeit ist Postfix noch in einer recht frühen Entwicklungsphase. Es scheint, als verzichtet Postfix auf etwas der Konfigurationssprache von Sendmail vergleichbares völlständig. Es ist schwer vorstellbar, dass es trotzdem genauso mächtig sein soll.
Masqmail ist ein MTA, der Mail an genau einen Provider weiterleitet und dabei die Absenderadresse umschreibt. Damit kann Masqmail viel weniger als ein "richtiger" MTA, die eine Aufgabe, die er erledigt, ist aber gerade die für Desktop-Rechner am häufigsten benötigte, und obendrein eine, die bei Sendmail mit gewissen Aufwand verbunden ist. Die aktuelle Version ist 0.0.12 oder so ähnlich - für wichtige Mail ist das vielleicht nicht das richtige Werkzeug. Wenn Masqmail funktioniert, macht er für den Leser vielleicht den Rest dieses Artikels überflüssig.